Das Wohnhaus Pescoller in Stegen bei Bruneck, von Arch. Stefan Hitthaler als „Ein-Raum-Wohnhaus“ konzipiert, besitzt neben dem Eingang nur eine Öffnung: eine geschossübergreifende Verglasung nach Süden unter einem weit ausladenden Vordach. Im Schnitt lässt sich das Haus als Auge lesen, mit dem Vordach als Wimpern, der Fensterfront als Linse und den Innenwänden als Netzhaut; im Eingang laufen, analog zum blinden Fleck, alle Wege zusammen.
Dieser Punkt war zugleich die konstruktive Schwachstelle des Hauses – undicht und der Witterung ausgesetzt –, und die Bauherrschaft wünschte eine Überdachung mit Windfang. Der Entwurf nimmt die Metapher zum Ausgangspunkt: An der „Fehlerquelle“ geht die schwarz-weiß gestreifte Fassade in ein Tragwerk aus schwarz verzinkten und pulverbeschichteten Stahllamellen über, die sich aus der Vertikalen der Wand in die Horizontale des Daches drehen, in den Zwischenraum zum angebauten Nebengebäude greifen und gemeinsam mit der Ablaufrinne das Glasdach tragen. Die Streifen im Beton des alten Vordachs hatten diese Bewegung bereits angelegt; das räumliche Tragwerk führt sie fort und verunklart die Grenze zwischen Struktur und Raumabschluss.
Der Windfang ist als schräg gestellter Körper aus dunklem Spiegelglas ausgebildet, der die Umgebung reflektiert, nicht aber den Betrachter – ein Verweis auf die Leuchtschrift „Hier ist nicht Hier“ von Christoph Hinterhuber an der Wand des Nebengebäudes.